Zentrum für Heilung und Meditation
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BERGMEDITATION

In allen Kulturen der Welt haben Berge eine höhere Bedeutung. Sie werden als Gott oder Göttin, als Vater oder Mutter oder auch als symbolische Weltachse betrachtet, als Aufenthaltort der Götter oder der Ort, wohin man sich zurückzieht, wenn man die Stimme Gottes vernehmen will. Berge verkörpern Erhabenheit, Harmonie und Würde. Tief mit dem Gestein der Erde verwachsen, aus der sie bestehen, erheben sie sich über alles auf dieser Welt und ziehen uns magisch an. Berge sitzen einfach nur da und sind, was sie sind. Und dieses einfach nur dasein - können wir von ihnen lernen.
Lasse nun vor deinem geistigen Auge das Bild des schönsten Berges entstehen, den du dir vorstellen kannst. Es kann ein Berg sein, den du schon kennst oder ein Berg aus deiner Fantasie. Lasse dieses Bild nun immer deutlicher werden. Betrachte genau die Form deines Berges – sein Felsgestein, den in den Himmel aufragenden Gipfel und sein in der Erde ruhendes Fundament. Und dann betrachte seine steil oder sanft abfallenden Hänge. Achte auch darauf, wie massiv dein Berg ist – wie fest – wie unbewegt und wie schön! Sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe betrachtet – eine Schönheit, die aus seiner einzigartigen Form und Gestalt hervorgeht.
Vielleicht ist die Spitze mit Schnee bedeckt; und seine tiefer gelegenen Hänge sind bewaldet; vielleicht hat er einen besonders hoch aufragenden Gipfel oder auch mehrere Gipfel oder ein hohes Plateau. Sitze einfach nur hier und atme und werde dir der Eigenschaften dieses Berges bewusst.
Nun schaue, ob du und der Berg eins werden können. Versuche den Berg in dich hinein zu versetzen. Du wirst zu dem Berg mit all seinen Eigenschaften und Besonderheiten – mit all seiner Schönheit! Versuche seine Eigenschaften nur zu erfühlen – ganz ohne darüber nachzudenken. Sitzen wie ein Berg! Würdevoll und still. Dein Kopf wird zu dem hoch aufragenden Gipfel oder dem weiten Plateau, so wie du dir deinen Berggipfel vorgestellt hast. Deine Schultern und Arme, deine Vorderseite sind die Hänge dein Gesäß und deine Beine bilden die feste Basis - verwurzelt mit dem Stuhl, dem Kissen oder dem Untergrund.

Erlebe tief in deinem eigenen Körper entlang der Wirbelsäule die emporsteigende Qualität des Berges. Und werde jetzt -so wie du hier sitzt- mit jedem Atemzug ein bisschen mehr zu diesem atmenden Berg. Zentriert, präsent und unerschütterlich in deiner Stille ruhend – vollständig das, was du bist – jenseits von Worten und Gedanken. Werde dir bewusst, dass der Berg nur einfach dasitzt, während die Sonne über den Himmel wandert und Licht und Schatten und Farben sich von Augenblick zu Augenblick verändern. Auf den Tag folgt die Nacht und auf die Nacht wieder der Tag! Der Berg erlebt ständigen Wandel und bleibt doch immer er selbst. Er bleibt still stehen während die Jahreszeiten ineinander übergehen und das Wetter sich verändert von Tag zu Tag und von Moment zu Moment. Sie wie der Berg die Stille verkörpert, die alle Veränderungen überdauert.
Im Sommer liegt kein Schnee auf dem Berg – außer vielleicht auf dem Gipfel oder an den Stellen, die das direkte Sonnenlicht nicht erreicht. Im Herbst kann der Berg in feurig glühenden Farben leuchten und im Winter bedeckt ihn manchmal ein Mantel aus Eis und Schnee. Und zu allen Jahreszeiten ist er gelegentlich von Nebel und Wolken umhüllt oder Eisregen prasselt auf ihn nieder.
Bergwanderer bewundern die Schönheit des Berges oder sie sind enttäuscht, wenn die Sicht von dem Berg nicht gut ist, es zu nebelig oder zu dunkel ist. Von alldem bleibt der Berg jedoch unberührt. Er sitzt ganz einfach nur da und ist er selbst!
Seine Großartigkeit und seine Schönheit sind nicht davon abhängig, ob er gesehen wird oder nicht oder wie das Wetter gerade ist. Dem Berg ist es gleichgültig, ob er im Sonnenlicht liegt oder von Wolken umhüllt wird – ob es glühend heiß oder eiskalt ist. Er sitzt einfach nur da und ist er selbst.
Manchmal tosen auf ihm die heftigsten Stürme und Gewitter unvorstellbarer Stärke; und dann kommt der Frühling – die Vögel singen wieder in den Bäumen und auf den Bergwiesen erblühen die Blumen und in den Bergbächen schießen gewaltige Mengen Schmelzwasser zu Tal.
Während all dies geschieht sitzt der Berg einfach nur da, ohne sich von dem, was auf seiner Oberfläche geschieht wirklich beeindrucken zu lassen.
Und wenn wir sitzen und meditieren, können wir trotz der ständigen Veränderungen in unserem eigenen Leben die gleiche unerschütterliche Stille und ein Gefühl des Verwurzeltseins verkörpern – wie der Berg.
In unserem Leben – wie auch im Laufe unserer Meditationspraxis erfahren wir, wie sich unser Körper und unser Geist ebenso wie die Welt um uns herum ständig verändern. Von Minute zu Minute, Stunde zu Stunde und Jahr für Jahr.
Auch wir erleben Stürme unterschiedlicher Heftigkeit und auch wir erleben Gewalt – nicht nur in unserer äußeren Welt, auch an unserem Körper, an unserem Geist! Wir gehen durch Zeiten des Schmerzes und der Dunkelheit und wir genießen Momente der Freude und der Euphorie. Selbst unsere äußere Erscheinung verändert sich ständig – so wie die des Berges, der dem ständigen Einfluss der Witterung ausgesetzt ist.
Indem wir in der Meditation selbst zum Berg werden, können wir uns mit Stille und Stabilität des Berges verbinden und dies für uns nutzen.
Wir können sehen, dass unsere Gedanken und Gefühle, unsere emotionalen Stürme und Krisen und die Dinge, die uns in unserem Leben passieren, ganz ähnlich sind wie das Wetter auf einem Berg. Wir neigen dazu, dies alles sehr persönlich zu nehmen, obwohl es im Wesentlichen unpersönlich ist. Natürlich können wir das Wetter unseres Lebens nicht ignorieren oder leugnen, es geht vielmehr darum, es anzuerkennen, zu spüren und als das zu sehen, was es ist. Eignest du dir die Eigenschaften des Berges an, so kann auch dich nichts mehr grundlegend erschüttern. Auch du nimmt dann die Dinge an – so wie sie kommen und bleibst, was du bist – würdevoll, gelassen und fest verwurzelt in deinem Leben. Auf diese Weise kannst du zu einer tieferen Ruhe, Stille und Weisheit gelangen als du es je für möglich gehalten hätten; inmitten all der tosenden Stürme in deinem Leben.
Du kannst dieses Bild vom Berg von Zeit zu Zeit – immer dann, wenn du seine Eigenschaften benötigst - in einer Meditation wieder erleben. Du kannst immer wieder zu diesem Berg werden, du kannst auch zwischendurch immer wieder wie ein Berg zu sitzen. Achtsam, würdevoll, präsent und in wahrer Stille tief verwurzelt mit der Erde.
Nun nimmst du Abschied von deinem Berg und wirst wieder du selbst. Aber ein Stückchen von ihm nimmst du mit in dein Leben, in das du nun wieder mit aller Aufmerksamkeit eintrittst.
Du atmest bewusst tief ein und aus, reckst und streckst deine Arme und Beine und bist wieder im Hier und Jetzt.

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Heike Fehlau

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